Das können wir für unsere Stadt tun – Egebnisse der Ideenwerkstatt in Augsburg zum westhouse-Projekt

Wie kommt Kirche zurück in die Mitte der Gesellschaft und wie kann das konkret durch ein Gebäude geschehen? Das Westhouse-Projekt soll so ein innovativer Impulsgeber sein, das in Form eines multifunktionalen Begegnungszentrums viele Menschen in Augsburg positiv inspiriert. Geplant ist, dass verschiedene Kirchengemeinden die Veranstaltungsräume selbst nutzen und darüber hinaus ganz konkrete Hilfs- und Freizeitangebote für Gäste anbieten.

Bei der im März veranstalteten Ideenwerkstatt brüteten 60 Pastoren und verantwortliche Mitarbeiter – überwiegend aus christlichen Gemeinden der Region – an sieben Thementischen über Möglichkeiten zur Umsetzung. Das kam dabei heraus:

1. Thementisch: Kirche, Gottesdienst und Gebet

Warum nicht Public-Gottesdienst-Viewing beim Cappuccino-Schlürfen?

Wen wundert‘s – dies war der am besten besuchte Thementisch. Schnell war man sich einig:

  • Ganz hell, lichtdurchflutet und von außen einsehbar sollte der Gottesdienstraum sein, damit Interessierte die Veranstaltungen auch mit etwas Abstand und damit unverbindlich verfolgen können.
  • Warum die Gottesdienste etc. nicht ins Bistro oder in die Seminarräume übertragen?
  • Wichtig erschien den Teilnehmern, für Familien ein Umfeld zu schaffen, wo sie sich sorgenfrei aufhalten können. Kinderbetreuung könnte so ein an Ikea angelehntes Angebot sein.
  • Ein Ansprechpartner wäre sinnvoll, der nicht nur während der Gottesdienstzeiten vor Ort ist.
  • Genau wie ein Raum für Gebet, Meditation und Stille, der rund um die Uhr geöffnet ist.
  • Im Bereich der Bühne wurde ein Backstage-Bereich vorgeschlagen, in den man sich zu Einzelgesprächen oder allein nach dem Gottesdienst zurückziehen kann.
  • In diesem Gebäudeteil gibt es außerdem noch zwei Büroflächen, in denen Beratung, therapeutische Begleitung oder Seelsorge denkbar ist.
  • Angebote darüber hinaus: Candlelight-Dinner, Alphakurse, Diskussionsabende, Kleinkunstgottesdienste, Poetry-Slam, TED Talks und Kooperationen mit anderen Einrichtungen.


2. T
hementisch: Hotel und Events

Synergieeffekte mit Medizinern, Musikern und Mietern

Ein spannendes Thema mit viel Potenzial, denn selten finden sich Gastgewerbe und Kirche unter einem Dach. Durch die räumliche Nähe zur Universitätsklinik sind interessante Kooperationen möglich, wie z. B.

  • Tagungsangebote in Verbindung mit dem Hotel
  • Räume für Medizin-Studenten zur Verfügung zu stellen
  • Veranstaltungen für Fachpersonal im Gesundheitswesen sowie für Patienten und Angehörige. Es könnte um ethische Fragen gehen oder solche des Glaubens, um Leben, Tod und Ewigkeit.
  • Privatere Veranstaltungen für Gäste des Hotels, die vielleicht zwischenmenschlichen Kontakt suchen: z. B. Kamin- oder Wohnzimmerkonzerte


3. Thementisch: Bistro- und Begegnungsangebote

Einfach da sein, willkommen sein und Zuhause erleben

Das Bistro ist das emotionale Herz des Begegnungszentrums, weil Liebe ja durch den Magen geht. Pralles Leben von früh bis spät, engagierte Mitarbeiter heißen die Gäste willkommen. Ein Ort, wo man einfach sein kann: Kontakte knüpfen, essen, trinken und chillen. Auch kleinere Veranstaltungen mit sozialem und kommunikativen Charakter sind denkbar: Brunchs, Spiele- und andere Themenabende, Kochkurse, Flüchtlingscafé, etc.


4. Thementisch: Kinder-, Jugend- und Familienangebote

Quintessenz: Super, dass alles unter einem Dach ist!

Wo gibt‘s das schon? Kinder- und Gruppenräume, sogar eine Turnhalle, ganz nah zusammen.

  • Dank der Vielfalt der Räume gibt es für die junge Generation unzählige Möglichkeiten für Begegnungen und Programme. Warum nicht für den Stadtteil einen Winterspielplatz für die kältere Jahreszeit anbieten?
  • Die Räume sollten vom Design her multifunktional sein, so dass sie sich auch für Seminare eignen. Und gleichzeitig ansprechend für die jeweilige Zielgruppe, z. B. cool für Jugendliche.
  • Im Zusammenhang mit Kirche wurde deutlich, dass es für die junge Generation im Gebäude einen festen Ansprechpartner geben sollte. Gerade auch für Jugendliche in schwierigen Lebensumständen.

(c) pixabay.com

 

5. Thementisch: Sport, Fitness und Physiotherapie

Die Turnhalle – nicht nur zum Turnen da

 Was können wir in der Turnhalle noch anbieten?

  • Vielleicht finden sich Menschen vom Fach aus dem kirchlichen Umfeld, die ehrenamtlich Präventions- oder Reha-Kurse anbieten. Auch für die ältere Generation.
  • Oder spezielle Aktivitäten für sportbegeisterte Kinder und Jugendliche.
  • Vielleicht auch Kindergeburtstage, Selbstverteidigungs- oder Bewegungskurse sowie spielerisches Ausprobieren von pädagogischen Themen.


6. Thementisch: Büros, Co-Workingspaces und Seminare

 Arbeitsplätze auf Zeit, Büros als Heimathafen

Hier könnte man einen Raum für Menschen schaffen, die aus beruflichen Gründen in Augsburg sind oder einfach auf Zeit eine Heimat brauchen. Die Synergien mit dem Hotel, mit seinen Bordingzimmern oder Longstay-Apartments liegen auf der Hand. Wie auch mit dem Bistro, um diesen Menschen ein Zuhausegefühl zu vermitteln. Ein Community Manager als Ansprechpartner könnte dabei helfen, Kontakte zu knüpfen oder die richtige Freizeitgestaltung zu finden.

In Bezug auf die Seminare stellte sich die Frage: Inwieweit können die Räume auch im sozialen Bereich genutzt werden? Wie müssen sie gestaltet sein, um dort beispielsweise kreativ tätig sein zu können? 


7. Thementisch Seelsorge, Beratung und Therapie

Wer bin ich und wenn ja, wie viele Räume brauche ich

Das Anliegen: Im Haus eine Beratungsstelle einzurichten, in der professionelle Mitarbeiter seelsorgerlich-therapeutisch arbeiten. Für Menschen in schwierigen Lebensumständen, z. B. im Bereich Ehe, Familie, Erziehung, Schwangerschaft oder Gesundheit. Synergieeffekte sind nicht nur in Bezug auf die Klinik zu erwarten, sondern auch auf die Seminarräume. Denn zu diesen Themen bieten sich auch Gruppenveranstaltungen an.

Hier braucht es kompetente Personen aus dem kirchlichen Umfeld, deren Beratung durch christliche Werte geprägt ist. Angedacht war auch eine Seelsorge-Hotline sowie die Vernetzung mit anderen seelsorgerlich-therapeutischen Organisationen und sozialen Einrichtungen.

Westhouse-Projekt: Wieviel Ehrenamt muss sein, wie viel ist machbar?

Am Ende der Veranstaltung stellten wir die Ideen im Plenum vor. Ich machte den Teilnehmern Mut, bei Interesse an einer Mitarbeit auf mich zuzukommen. Einzelne haben sich bereits gemeldet, was mich sehr gefreut hat. Dabei ist es noch völlig unklar, in welcher Form das Ehrenamt organisiert werden kann. Wenn kirchliches Engagement auf professionelle Nutzung trifft, stellt sich ja immer die Frage, wie sich das Ganze gegenseitig befruchtet und zu einem guten Miteinander wird.

Bei allen offenen Fragen – das Kern-Anliegen dieses besonderen Begegnungszentrums bleibt: Zusammen mit den Mietern und Nutzern eine Wir-Kultur, eine gemeinsame Identität zu entwickeln, die Augsburg bereichern wird. Wenn nicht jeder sein eigenes Ding macht, sondern alle interdisziplinär zusammenarbeiten, baut das nicht nur wertvolle Beziehungen, sondern eröffnet auch ungeahnte Möglichkeiten für alle Beteiligten.

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Mehr Informationen zum Begegnungszentrum westhouse ausburg unter: www.westhouse-augsburg.de/

Von | 2018-09-21T17:10:13+00:00 21. September 2018|